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Vollgas oder Scheitern – Auto-Deutschland unter Druck // ZDFzoom

ZDF
30Minuten
Autor: Torben Schmidt
Online: auf zdf.de

Deutschlands Autoindustrie ist vom Innovationstreiber zum Getriebenen geworden. Der Fortschritt in Sachen E-Mobilität ist zu langsam, zu zögerlich. Das kann nicht gut gehen.

Es geht dabei längst nicht mehr um die Frage, ob Elektromobilität wirklich besser ist. Ob der Verbrenner nicht am Ende besser ist als sein lädierter Ruf. Während wir noch diskutieren, hat der Weltmarkt längst entschieden, dass es zukünftig anders läuft.

Wir fragen, warum Auto-Deutschland nicht alles dafür tut, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Andere sind viel weiter: In Norwegen fahren bereits 65 Prozent aller Neuwagen elektrisch oder als Hybrid. Bei uns sind es ganze sieben Prozent.

Die Norweger haben den Wandel als Chance erkannt: Sie wollen vorne mit dabei sein bei neuen Technologien und der Ladeinfrastruktur. Ein E-Auto ist in Norwegen günstig, weil Steuern wegfallen. Es ist komfortabel, weil man die Busspur benutzen kann. Es ist praktisch, weil in vielen Tiefgaragen Ladebuchsen in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Christina Bu vom norwegischen E-Mobilitätsverband will nicht länger hören, dass Konsumenten angeblich noch nicht bereit seien für eine andere Mobilität: “Sobald der Preis stimmt, sind die Kunden mehr als bereit, elektrisch zu fahren. Also gebt nicht uns Kunden die Schuld! Macht euren Job!”

Der gigantische Automarkt China will zukünftig ein Viertel seiner Neuwagen elektrisch fahren lassen. Es tut sich etwas in der automobilen Welt, eine Zeitenwende.

Autor Torben Schmidt trifft den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Opel AG, Karl-Thomas Neumann. Dieser erklärt: Wenn man erfolgreich sei, sei es schwer, diesen Erfolg zu zerstören, um etwas Neues zu schaffen. “Es muss eine Haltung entwickelt werden. Da werden Arbeitsplätze verloren gehen, aber es werden auch neue geschaffen werden.” Schuld daran sei auch eine Politik, die sich zu lange schützend vor Veränderungen gestellt habe. Und die jetzt keine Leitlinien, keine Idee präsentiere. Es geht um Millionen Arbeitsplätze, die jedoch, wenn man Experten glaubt, in der alten Auto-Welt ohnehin keinen Bestand hätten.

Uwe Cantner, Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation des Bundes, warnt: “Auf Teufel komm raus Jobs zu erhalten – in Bereichen, wo ich merke, dass der Weltmarkt schon entschieden hat (…) ist der größte Fehler, den ich machen kann.”

Auf dem globalen Markt sind die Weichen längst gestellt. Die Welt ist bereit für eine neue Mobilität. Sind es die deutschen Autobauer auch?

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