Pleite in der Pandemie. Wie krank macht Corona unsere Wirtschaft? ZDFzoom

ZDF
29Minuten
Autorinnen: Denise Jacobs und Juliane Kussmann
Online: auf zdf.de

Corona und der Shutdown – für die meisten Unternehmen heißt das: Vollbremsung mit Folgen. Doch der Staat verspricht Unterstützung, Abhilfe im Dilemma, das ohne Vorwarnung die Weltwirtschaft getroffen hat. Doch wie stark sind die Medikamente, die man der Volkswirtschaft gibt? Und wann setzen die Selbstheilungskräfte wieder ein? Die „ZDFzoom“-Reporterinnen Denise Jacobs und Juliane Kussmann begleiten Unternehmerinnen und Unternehmer auf dem steinigen Weg durch die Rettung ihrer wirtschaftlichen Existenz.

Frontbericht von denen, die wirtschaftlich unmittelbar und besonders stark von der ersten und zweiten Welle betroffen sind. Eigenkapital oder Altersvorsorge sind bei vielen längst aufgebraucht. Aber wer in der Pandemie unverschuldet in Not gerät – dem wird geholfen. Das ist das Versprechen der Regierung. Doch vielfach reichen die Hilfen nicht aus oder kommen nur schleppend an: „Es herrscht eine unglaublich große Existenzangst und ich finde das wirklich, wirklich schlimm, dass Menschen, die jahrelang – in meinem Fall ich bin im 20ten Jahr jetzt – vor dem Nichts stehen, von ganz vorne anfangen und so betteln müssen, dass ihnen geholfen wird,“ sagt die Düsseldorfer Gastronomin Kerstin Rapp-Schwan.

Je länger die Krise andauert, desto enger wird es für die betroffenen Unternehmen. Zum Teil werden sie hochverschuldet in eine Zeit nach Corona starten. Auch in der Tourismusindustrie wütet Corona. Mit verheerenden Folgen. Aber Großkonzerne wie TUI oder Lufthansa haben schnell Staatshilfen in Milliardenhöhe erhalten. Wer darf pleite gehen – und wer nicht?

Die Pandemie trifft nicht nur auf kerngesunde Unternehmen. Dort, wo bereits vorher strukturelle Probleme vorzufinden waren, wirkt Corona wie ein Brandbeschleuniger. Beispiel Zuliefererindustrie. Durch Absatzrückgang und technologischen Wandel steht die Branche seit Jahren unter Druck. Auch in der Wirtschaft trifft es zuerst die Vorerkrankten. Doch Insolvenz muss nicht immer das Ende bedeuten. „Insolvenz ist durchaus ein probates Mittel, auch wenn der Begriff ‚Insolvenz‘ negativ behaftet ist. Aber es ist auch ein sehr gutes Mittel Restrukturierungsmaßnahmen durchzuführen“, so Insolvenzverwalter Dr. Franz-Ludwig Danko.

Aber die Zahl der Insolvenzen ist im Corona-Jahr 2020 allen Erwartungen zum Trotz rückläufig. Grund dafür ist eine umstrittene Änderung im Insolvenzrecht. Normalerweise bildet das Insolvenzgeschehen die reale Lage der Wirtschaft ab. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. „Das Problem dabei ist, je länger dieser Zustand dauert, desto diffuser wird die Lage. Wir können gar nicht mehr richtig erkennen: ‚Wie geht es der deutschen Wirtschaft wirklich?‘“ so Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Experten warnen, was gut gemeint sei, könne am Ende schwerwiegende Folgen haben. Nicht nur für die Unternehmen selbst, sondern für das ganze Wirtschaftssystem.

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