Frau sein. Traditionelle Rollenbilder im Wandel // ZDF WISO

ZDF
35Minuten
Autorin: Denise Jacobs
Online: auf zdf.de

Von klein auf lernen wir bereits, wie “echte” Männer zu sein haben und was Frauen dürfen oder besser lassen sollten. Das Private ist politisch – und vielleicht noch politischer als vor ein paar Jahrzehnten. Auch wenn traditionelle Rollenbilder sich im Wandel befinden, sind die Geschlechter noch immer unterschiedlich sozialisiert. Das öffnet Spannungsfelder und birgt beides: Chancen sowie Unsicherheiten.

Die Erwartungen an Frauen steigen, so scheint es, stetig. Und damit auch der Frust. Denn das Ideal der alles könnenden Frau, die ihren Alltag zwischen Karrierezielen, Familienpflichten und Selbstoptimierung managen soll, ist zu einem bleischweren Schatten geworden. Dabei sehen sich Frauen keineswegs als bloßes Opfer des anderen Geschlechts. In den Erzählungen verbirgt sich die Sehnsucht danach, traditionelle wie auch moderne Erwartungshaltungen zu sprengen, um am Ende ganz bei sich selbst sein zu dürfen. Im Film geht es nicht um einen aktuellen Beitrag zum Genderdiskurs, sondern vielmehr um eine sehr persönliche Innenansicht was Frau sein – oder Mann sein – heute bedeutet.

Eliz Dilican (18) geht noch zur Schule und macht bald Abitur. Für sie spielt das Geschlecht eigentlich keine große Rolle. Aber wenn sie nachts alleine auf der Straße unterwegs ist, fühlt sie sich unwohl. Jungs hingegen müssten sich weniger fürchten. Ebru Sakarya (47) ist Eliz Mutter – wie sie sich als Mädchen, als Heranwachsende verhalten sollte, wurde von ihrem muslimisch geprägten Elternhaus vorgegeben. Zwischen zwei Kulturen wandelnd, erlebte sie ihre Jugend oft als Zerreißprobe. Mechthild Hirthe (76) sollte als Kind der 40er Jahre vor allem zu einer guten Ehefrau erzogen werden. Die spätere Ehe scheiterte – wohlgemerkt nach vielen gemeinsamen Jahren. Stattdessen fand sie ihre berufliche Erfüllung im Ausland als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. Doch die Selbstverwirklichung hatte ihren Preis. Uschi Schüller (55) ist Tischlerin – als Frau in einem männerdominierten Handwerksberuf musste sie sich oft erst beweisen, bevor sie ernst genommen wurde. Farina Kerekes (30) arbeitet als Verkäuferin im Einzelhandel. In der Pandemie hat sie gelernt, dass ihr Beruf systemrelevant ist. Geändert hat sich dadurch erst mal nichts. Außer ihrer Erkenntnis: arbeitende Frauen sind auffallend häufig systemrelevant, werden schlechter bezahlt als Männer oder befinden sich in der sogenannten Teilzeitfalle. Evelyn Meyer-Globig (69) war Krankenschwester. Nach der Geburt der Kinder ist sie zunächst zu Hause geblieben. Die (Care-)Arbeit lief weiter, die Rentenpunkte nicht. Dass Menschen aufgrund von Erziehungszeit in die Altersarmut fallen, dürfe einfach nicht sein. Aileen Puhlmann (39) arbeitet Vollzeit als Projektleiterin im Bereich Entwicklungspolitik. Als alleinerziehende Frau sei man im System kaum sichtbar, ein blinder Fleck. Der Anspruch an eine moderne Mutter sei außerdem, zu arbeiten hätte sie keine Kinder und Mutter ist, als würde sie nicht arbeiten. Christa Lutum (59) ist Bäckermeisterin und erfolgreiche Unternehmerin. Ihr Mann wurde damals gefragt, wie es ihm eigentlich gehe – mit so einer erfolgreichen Frau. Manuela Rousseau (65) ist Aufsichtsrätin, Professorin und Buchautorin. Dass sie einmal ganz oben ankommen würde, hat sie selbst lange nicht für möglich gehalten. Mit 14 musste sie die Schule verlassen, um ihre Mutter finanziell zu unterstützen. Die hat keinen Hehl daraus gemacht, dass die Geburt ihrer Tochter eine Enttäuschung war. Sie hatte sich einen Jungen gewünscht. Manuela Rousseau ist davon überzeugt, dass Frauen sich auch gegenseitig mehr Anerkennung und Wertschätzung für ihre Lebensmodelle entgegenbringen müssen. Nathalie Kleefuß (42) hat mit ihrem Lebensmodell lange gerungen. Sie und ihr Mann sind kinderlos. Nach 10 Jahren, in denen sie von Akupunktur bis hin zur künstlichen Befruchtung alles ausprobiert hat, konnte sie endlich den Kinderwunsch loslassen. Und auch die quälende Frage, ob sie noch eine richtige Frau sei, wenn sie nicht Mutter wird. Katia von der Heydt (28) hat sich bewusst gegen Kinder entschieden. Sie ist Mitgründerin des Vereins ‚Selbstbestimmt steril‘. Um jedes Risiko einer möglichen Schwangerschaft auszuschließen, hat sie sich für einen radikalen Weg entschieden. Maxie Elsner (35) ist Single und hat noch keine Kinder. Die gelernte Grafikerin und Podcasterin spricht über Liebe in Zeiten von Dating-Apps und über Sexismus im privaten und beruflichen Umfeld. Katharina Hagemann-Schmid (36) und ihre Ehefrau Monique „Micky“ Hagemann (40) müssen manchen Menschen immer noch erklären, wie zwei Frauen „alleine“ einen Haushalt führen können. Monique arbeitet bei der Bundeswehr, während Katharina sich zu Hause um die Kinder kümmert. Sara Flieder (37) teilt sich die Erziehung ihres Sohnes zu gleichen Teilen mit ihrem Mann. Sie war sich gar nicht so sicher, ob sie Kinder bekommen möchte. Bis Matthias ihr sagte, dass er, der Vater, ja auch noch da sei. Eine Selbstverständlichkeit, die offenbar so selbstverständlich auch heute noch gar nicht ist. 15 Frauen, die Mut machen. Und die selbst die Erzählerinnen ihrer ganz eigenen Geschichten sind.

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