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Wachgeküsst – Urlaubsparadiese mitten in Deutschland. Teil 1 // ZDFzoom

ZDF
43 Minuten
Autor: Babette Hnup, Sylvie Kürsten, Juliane Kussmann
Online: auf zdf.de
Von der Ostsee an die Mosel.
Sommer, Sonne, Ferienzeit – Millionen Menschen zieht es zur Urlaubssaison in die Ferne: an die Traumstrände Spaniens, Italiens und der Karibik. Doch das war gestern. Corona hat die Welt und auch die Urlaubsplanung verändert. 2020 macht Deutschland Urlaub vor der Haustür. Und lernt sich dabei von einer ganz anderen Seite kennen. Wohin reisen wir, wenn wir daheim bleiben? Und was entdecken wir dort? Werden Erinnerungen wach oder nur Klischees bestätigt? Die 45-minütige Dokumentation führt uns dabei quer durch die Republik, von Ost nach West, von Pütznitz an der vorpommerschen Ostseeküste über das Lausitzer Seenland, durch den Thüringer Wald und die Rhön, vorbei an Main und Rhein bis zur Moselschleife.
Pütnitz ist sozusagen das Tor zum Darß, für viele die schönste Halbinsel Deutschlands − und trotzdem ist Pütznitz noch touristisches Entwicklungsland. Die Investoren haben längst zugeschlagen, hier soll einmal das „Bernsteinresort” entstehen, mit 2.800 Betten, Bootsliegeplätzen und Golfparcours. Doch diesen Sommer ist davon noch nichts zu sehen. Selbst der coronabedingte Notfallplan, eine brachliegende Rasenfläche als Pop-Up-Campingplatz zu nutzen, wurde kurzerhand abgeblasen. Und Gerrit Crummerl und seine Familie stehen mit ihrem originalgetreuen Ost-Campingwagen plötzlich auf dem Schlauch. Der Leipziger ist schon als Kind zu DDR-Zeiten gefahren, kennt jede Ecke der Ostsee, die „Badewanne der DDR”. Doch das nützt ihm jetzt nicht viel, denn halb Deutschland ist plötzlich unter die Camper gegangen. Vor lauter Zelten sieht man mancherorts kaum das Meer, und jeder Campingplatz in der Gegend ist rappelvoll.
Dabei lockt nur einen Katzensprung von Pütnitz entfernt eine bislang fast vergessene Urlaubsregion: das weite Hinterland Vorpommerns. Inmitten des Peene- und Tollensetales erstreckt sich eine unberührte und weit verzweigte Flusslandschaft. Mehr Abstand für den Tourismus-Neustart geht kaum. Anstatt Massentourismus gilt hier: Qualität statt Quantität, alles unter dem Motto sanfter und nachhaltiger Tourismus. Ideal für das Ehepaar Cölln, Sohn Hans und seine drei besten Freunde, die ihren Urlaub im Schloss Schmarsow in Kruckow verbringen. Doch ein Urlaub im Hinterland bringt für die sechs Großstädter auch die eine oder andere Überraschungen mit sich: Geht Urlaub ohne WLAN?
Weiter südöstlich geht es nahe an die deutsch-polnische Grenze. Das Ehepaar Lailach macht Safari, offraod, mit dem Jeep! Hier erwacht eine Region gerade erst aus dem Dornröschenschlaf: die Lausitz. Denn das Gebiet, das mehr als 150 Jahre für den Braunkohlebergbau genutzt wurde, hat ein neues Gesicht bekommen. Stillgelegte Tagebauen des Lausitzer Braunkohlereviers wurden geflutet und rekultiviert. Entstanden ist eine einzigartige Seenlandschaft, die in atemberaubenden Farben leuchtet. Karibische Exotik mitten in Deutschland. Zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Industriekultur und Strandidylle finden sich originelle Wege den Wandel einer Region zu entdecken.
Mit Jürgen Mittmann und Thilo Rademann fahren wir weiter gen Westen. Besser gesagt: wir radeln. Die beiden Berliner Berufsfeuerwehrleute sind nämlich nicht bloß dienstlich, sondern auch privat ein gutes Team. Schon zum dritten Mal haben sie alles Gepäck, das sie brauchen, auf ihre Räder gepackt und sich selbst auf den Sattel: Sie wollen den 600 km langen Mainradweg entlang radeln. Zwei Preußen in Bayern! Der Weg führt sie von Ober- nach Unterfranken, also vom Bier zum Wein, und weiter bis nach Rüdesheim. Dabei entdecken sie eher die kleinen Dinge am Wegesrand als die großen touristischen Highlights wie den fränkischen Gottesgarten. Doch sie staunen nicht schlecht, als der piefige Main zum reißenden Amazonas wird.
Auf unserem Weg immer weiter westlich durchstreifen wir den Thüringer Wald und entdecken ein tatsächlich legendäres DDR-Relikt: das Panoramahotel in Oberhof. Wer hier früher Urlaub machen durfte, im einstigen St. Moritz des Ostens, hatte Riesenglück oder gute Kontakte. Heute wagt Jacqueline Schambach einen gewagten Balanceakt zwischen Erinnerung und Aufbruch: Die junge Hoteldirektorin das Hotel mit seiner ruhmreiche Geschichte 30 Jahre nach der Wende in eine touristische Zukunft überführen. Kann das gelingen, hier, im ehemaligen Zonenrandgebiet? Heute schlängelt sich hier das Grüne Band entlang der früheren innerdeutschen Grenze, und der Thüringer Wald geht quasi ganz grenzenlos in die Rhön über. Schäferin Julia Djabalameli über ihre Tiere und bietet Einblick in die nächste Region, die zunehmend vom Tourismus erschlossen wird.
Währenddessen startet Familie Dettinger zum ersten Mal mit ihrem Selfmade-Camper zu viert in den Urlaub. Dänemark ist wegen Corona gecancelt. Nun wollen sie vom Mittelrhein bis an die Mosel kleinere Abenteuer erleben. In ihrem eigenen kleinen Road-Movie lernen sie sich selbst und Deutschland von einer ganz neuen Seite kennen: Auf einer Hängebrücke im Hunsrück, beim Kanufahren auf der Mosel und auf 6 Quadratmeter in ihrem Bus.
Ein Film über wachgeküsste Regionen, altehrwürdige Orte und blinde Flecken auf der touristischen Landkarte Deutschlands − über Unterwegs sein und Ankommen in der Heimat.

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