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Nordmazedonien. Zwischen Trachten-Tänzen und Mini-Marine // NDR Länder Menschen Abenteuer

NDR
43Minuten
Autor: Torben Schmidt, Babette Hnup

Wer in unbekannte Welten eindringen will, wird in Mazedonien finden, was er sucht. Imposante Berge, glasklare Seen, ursprüngliche Orte und jahrhundertealte Bräuche. Das kleine, kaum bekannte Land am Balkan bietet die Faszination des lange Unberührten. Mazedonien grenzt im Norden an Serbien und im Süden an Griechenland. Es gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Und ist reich an Geschichten und Traditionen.

Hier müssen Menschen erfinderisch sein, um gut über die Runden zu kommen. So wie Gemüsebäuerin Vesna Janevska in Rosoman, im Süden des Landes. Aus ihren selbst geernteten Paprika macht sie die landestypische Spezialität Ajvar. Das Paprikamus verkauft Vesna auf dem lokalen Markt und sichert damit die Existenz ihrer Familie.

Auch im einsamen Bergdorf Galicnik im Mavrovo Nationalpark braucht es neue Ideen, um Geld zu verdienen. Der 75-jährige Pavle hat eine kleine Gaststätte im Ortskern und seine Jagd. Leben kann er davon aber nicht. Sein Enkel Marco organisiert deshalb Mountainbike-Touren um Gäste in die Region zu locken.

Den Jahresumsatz macht Pavle aber an zwei Tagen im Juli. Dann findet hier nämlich das größte Hochzeitsfest Mazedoniens statt. Jährlich kommen über dreitausend  Besucher in das Bergdorf um sich das traditionelle Spektakel anzusehen. Zwei Tage lang dauert der Trubel aus Brauchtum und landestypischer Musik. Tanja und Zlatko wurden von der Dorfgemeinschaft als Brautpaar auserwählt. Tanjas Familie stammt aus Galicnik. Für sie geht mit dieser Hochzeit ein Traum in Erfüllung.

Früher war Mazedonien Teil der jugoslawischen Republik. Und an manchen Orten hat sich seitdem wenig verändert. So wie im Büro des Bahnhofsvorstehers Borce Nikov in der Grenzstadt Gevgelija. Hier existiert noch die kommunistische Vergangenheit. Bis zu zwölf Züge fertigt Borce am Tag ab. Ansonsten heisst es warten.

Das Binnenland Mazedonien hat kein Meer aber dafür den legendären Ohrid See. Er ist nicht nur der größte See des Balkan, sondern auch einer der originellsten Flottenstützpunkte der Welt. Und auch scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die kleine Marine Mazedoniens besitzt ein Kriegsschiff aus den 70ger Jahren. Das muss funktionstüchtig gehalten werden- für den „Ernstfall“.

An den Ufern des Ohrid Sees liegt das Hydrobiologische Institut. Hier arbeitet die Biologin Dusica Ilic. Ihre Mission: die Ohrid-Forelle retten. Denn der Fisch ist eine begehrte Delikatesse und vom Aussterben bedroht. Deshalb fangen Dusica und ihr Kollegen jedes Jahr die laichbereiten Fische und züchten Millionen kleiner Nachwuchsfische im Labor, um den Fortbestand zu sichern. Im September setzen die Biologen die Jungfische im Ohrid See aus. Es ist jedesmal fraglich, ob das Unterfangen gelingt.

Beinahe 200 Kilometer nördlich von Ohrid liegt die Hauptstadt Skopje. In einer „Verschönerungsaktion“ hat die letzte Regierung das Stadtbild umgestaltet. Die sozialistischen Bauten wurden hinter pseudo-antikem Pomp versteckt. Die Vergangenheit findet man auf der anderen Seite der Brücke, im Altstadt-Viertel.

Hier versuchen der Schmied Ibrahim Zakir und sein Sohn mit uraltem Handwerk zu überleben. Es ist ein Aufbegehren des Alten gegen eine neue Welt. Während sie Hufeisen und Schaufeln schmieden, werden nebenan die Handy-Läden eröffnet.

Mazedonien- ein Land voller Gegensätze. Und für die meisten Menschen ein weißer Fleck auf der Landkarte. Der Film soll das ein wenig ändern.

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