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Montenegro – Von den Schwarzen Bergen zum Meer // NDR Länder Menschen Abenteuer

NDR
43Minuten
Autor: Torben Schmidt
Online: auf ndr.de

Montenegro, das Land der ‚schwarzen Berge’. Und viel mehr: Steile Felsen, tiefe Schluchten, malerische Bergseen, orthodoxe Klöster, alte venezianische Baukunst. Dazu Sandstrände und Fjorde wie in Norwegen: Atemberaubend schön und einzigartig ist das Adria-Land, das sich durch drei Klimazonen zieht und trotzdem gerade einmal so groß ist wie Schleswig-Holstein.

Mit Menschen, die ihren Weg finden zwischen den Herausforderungen eines postsozialistischen Systems, Balkan-Gelassenheit und den Chancen und Schönheiten eines oft atemberaubend schönen Landes.

Einem Land, das es noch gar nicht lange gibt – und das doch eine jahrhundertealte Geschichte hat. Nach wechselhaften Zeiten war Montenegro eine Teilrepublik Jugoslawiens. Dann, nach dem Krieg, zunächst noch Bestandteil des Rumpfstaates Serbien-Montenegro. 2006 stimmten die Bürger Montenegros für die Unabhängigkeit.

Unsere Reise beginnt jenseits der schwarzen Berge. Bjelo Polje, Kleinstadt mit sozialistischem Charme und Grenzort zu Serbien. Jeden Morgen um kurz vor sechs fährt hier der Nachtzug aus Belgrad ein, um sich auf sein letztes Teilstück durch Montenegro zu machen. Und entsprechend früh am Morgen beginnt hier der Arbeitstag von Tatjana Pavicevic und Predrag Marovic. Die beiden sind Zugpolizisten, begleiten die Bahn auf ihrem Weg von der Grenze durch die Berge bis ans Meer.

Die Strecke durch das dinarische Gebirge, über Serpentinen, Brücken und Tunnel erst hinauf und dann hinab bis in die Küstenstadt Bar, gilt als die schönste Bahnstrecke des Balkans. Als sogenannte Tito-Bahn war sie der Stolz jugoslawischer Eisenbahn-Architektur.

Oben in den Bergen treffen wir Milan Radovic. Der Jurist ist Bergsteiger aus Leidenschaft. Er trainiert für die höchsten Berge der Welt, war der erste Montenegriner auf einem 8000er. Und kehrt trotzdem immer wieder hierher zurück, in die Berge seiner Heimat. Aufgewachsen ist er am Fuße des höchsten montenegrinischen Berges. „Meine ganze Kindheit habe diese Bergspitze angeguckt und davon geträumt, einmal da hoch zu steigen.“, sagt Milan. Als er es schließlich tat, war es der Beginn einer lebenslangen Passion.

Ein Stück weiter in diesen Bergen liegt das Kloster Ostrog. Mythisch und geradezu unwirklich ist es in den massiven Fels geschlagen, uneinnehmbar eingerahmt vom Stein. Gebaut wurde es  1665 als Zufluchtsort vor der osmanischen Bedrohung. Bis heute ist das Kloster eine der wichtigsten Pilgerstätten des orthodoxen Glaubens. Den hier aufbewahrten Gebeinen werden Wunderkräfte zugesprochen. Für Mila Cerovic, eine junge Frau von 23 Jahren ist es vor allem ein Ort der inneren Ruhe und Einkehr. Und es ist überhaupt kein Gegensatz, Politikstudentin zu sein, in den diplomatischen Dienst zu streben  – und gleichzeitig streng gläubig zu sein und  an die Wunder zu glauben, die an diesem Ort geschehen sollen.

Der Zug aus Belgrad ist unterdessen weiter auf seinem Weg an die Küste, durchquert auch den Skutarisee.  Die gigantische Flachwasserfläche ist ein Paradies für Vögel, die dort nisten oder auf ihrem Weg nach Süden hier noch einmal Kraft sammeln und Futter finden. Aber das Paradies ist bedroht. Als Ornithologe und Umweltschützer kämpft Darko Saveljic gegen ‚Resorts’, die mitten in die Naturschutzgebiete gebaut werden und gegen korrupte Politik, die so etwas ermöglicht. Die Schätze bewahren, das hat er zu seinem Lebensthema gemacht.

An der Küste ist das Leben in Montenegro dann noch einmal verdichtet, in all seinen Schönheiten und Herausforderungen. Hier trifft kristallklares Wasser auf einen teils hemmungslosen Bauboom, schwimmen millionenschwere Yachten neben traditionellen Fischerbooten aus Holz. Was den einen bedrängt ist die Chance des anderen. Hier begegnen wir Veljko Uskokovic, Nationalheld in einer sehr montenegrinischen Sportart. Die kleine Nation ist nicht in vielen Sportarten Weltspitze, aber im Wasserball macht ihnen selten jemand etwas vor. Wasserball gehört hier an der Küste zum Alltag – und ist gelebte Leidenschaft. Veljko versucht die Tradition fortzuschreiben, den Nachwuchs für die Weltspitze zu trainieren. Nicht immer einfach in einem Land wie Montenegro – und doch würde er nie woanders leben wollen.

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