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Riskante Reise. Europa und die Flüchtlingsströme // ZDFzeit

ZDF 2014
43 Minuten
Autor: Michael Richter

Europa und die Flüchtlingsströme
Mohaned Jammo ist ein gebrochener Mann. Auf der Flucht vor dem syrischen Krieg hat er mit seiner Familie die Fahrt übers Mittelmeer nach Italien riskiert – in einem maroden Boot mit über 300 anderen Kriegsflüchtlingen. Doch ihr Boot gerät in Seenot. Stundenlang erbittet Jammo per Telefon Hilfe bei der italienischen Küstenwache. Vergeblich, das Boot sinkt, 200 Menschen sterben, auch zwei Kinder der Familie Jammo. Heute lebt der syrische Arzt mit seiner Frau und seiner Tochter im pfälzischen Bad Bergzabern.

Riskante Reise
Was erwartet Menschen, die auf widrigsten Wegen nach Europa gelangen und versuchen, hier einen Fuß in die Tür zu bekommen? Autor Michael Richter hat den Alltag an den Grenzen in Europas Süden erlebt. (20.05.2014)
Das geschah im Oktober 2013 vor Lampedusa. Nur wenige Tage zuvor waren 360 Menschen durch ähnliche Umstände ertrunken. Wie üblich folgte ein kollektiver Aufschrei von Politik und Menschenrechtlern. Die zuständige EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hatte damals die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, ihrer Verantwortung für die Flüchtlinge durch einen „würdigen Empfang“ und faire Verfahren gerecht zu werden.

Alles andere als ein freundlicher Empfang
Doch wie sieht die Realität aus – was erwartet Menschen, die auf widrigsten Wegen nach Europa gelangen und versuchen, hier einen Fuß in die Tür zu bekommen? Die EU bereitet ihnen alles andere als einen freundlichen Empfang: Mit allen Mitteln versuchen die Staaten der Gemeinschaft, Flüchtlinge und Asylsuchende erst gar nicht in Europa ankommen zu lassen. Dabei ist die EU 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
Deutschland hat sich verpflichtet, immerhin 10.000 Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Aber bürokratische Hemmnisse und Kompetenzgerangel verhindern eine schnelle Hilfe. Bisher sind deswegen viel weniger Menschen als geplant in Deutschland angekommen.
Dabei wäre es so wichtig, dass Deutschland, dass Europa großzügige Unterstützung leistet: Neun Millionen Menschen sind auf der Flucht, allein im Nachbarland Libanon leben knapp zwei Millionen Syrer, meist in Zeltstädten.

Hohe Hürden für das Traumziel Deutschland
Die Hürden, um das Traumziel Deutschland zu erreichen, sind hoch, das erfährt Autor Michael Richter bei den Dreharbeiten. Die Familien werden danach befragt, ob sie einen Deutschlandbezug haben, ob eine „besondere Härte“ existiert – wie ein behindertes Kind – und es geht um die Frage, ob der Flüchtling nach Ende des Krieges beim Wiederaufbau des Landes mitmachen kann. Wer ausgewählt wird, steigt in ein Flugzeug nach Frankfurt. Eine verschwindend kleine Minderheit. Die große Mehrheit aber ist auf skrupellose Schlepper angewiesen. Auch ihr Geschäft an der Nahtstelle der Türkei nach Europa zeigt die Dokumentation.
Autor Michael Richter hat außerdem den Alltag an den Grenzen in Europas Süden erlebt. Ob deutsche Beamte im Auftrag von Frontex in Bulgarien oder die spanische Guardia Civil, die Aufgabe sei es, Grenzübertritte zu verhindern. Richter geht der Frage nach, wie diese tagtägliche Realität mit der von der EU garantierten Aussicht auf Asyl und Sicherheit zusammenpasst.