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Die Rosen-Story // NDR 45 Min

NDR 2011
45 Minuten
Autor: Michael Richter

Die Rosenstory

Für 800 Millionen Euro pro Jahr importiert die EU Schnittrosen aus Afrika oder Lateinamerika. Wie ist es möglich, Blumen um die halbe Welt zu schicken und dennoch kostet ein Strauß Rosen im Supermarkt nur 1,99 Euro? Ein Team hat sich auf den Weg gemacht, um der Spur der Rosen zu folgen.

Die Rose wird als Symbol der Liebe zum Valentinstag millionenfach verkauft.

Der wichtigste Rosenzüchter weltweit hat seine Heimat in Sparrieshoop in Schleswig-Holstein, wenige Kilometer nördlich von Hamburg. Seit über 100 Jahren züchten Wilhelm Kordes Söhne die Königin der Blumen. Über mehrere Generationen hinweg belieferte der Familienbetrieb die Gärtnereien der Umgebung. Heute ist Kordes vor allem in Übersee tätig. Die Firma hat sich völlig vom deutschen Markt unabhängig gemacht und beliefert Rosenproduzenten vor allem in Afrika und Lateinamerika mit ihren Züchtungen. Besonders in Kenia, dem wichtigsten Rosenexportland, ist Kordes präsent. Mehrmals im Jahr fliegen die Kordes an den Naivashasee, dem Zentrum des kenianischen Rosenanbaus.

Inzwischen haben sich fast hundert Rosenfarmen rund um den See angesiedelt, die täglich Millionen Rosen für den Export produzieren – unter oftmals fragwürdigen Bedingungen.

Die Arbeiter werden meist mit 30 bis 40 Euro im Monat bezahlt. Das ist auch in Kenia zu wenig, um davon eine Familie zu ernähren. Die Arbeiter klagen zudem über den dauernden Einsatz von Pestiziden, der bei ihnen immer wieder zu schweren gesundheitlichen Schäden führe.

Der Naivashasee, so erzählen Umweltschützer, ist von den Rosenfarmen und den wilden Arbeitersiedlungen, die um die Farmen entstanden sind, ruiniert. Der Wasserspiegel ist gesunken, das Wasser durch die Abwässer aus den Farmen nicht mehr trinkbar.

Ein Team um Autor Michael Richter hat sich auf den Weg gemacht, um der Spur der Rosen zu folgen. Von der Züchtung in Sparrieshoop über die Rosenfarmen am Naivashasee bis zur Vermarktung auf der größten Blumenauktion der Welt im holländischen Aalsmeer.

Bei dieser Spurensuche zeigt sich deutlich, wer von dem globalen Geschäft mit Schnittrosen profitiert – und wer zu den Verlierern gehört.

Die deutschen Gärtner haben keine Chance, erklärt John Kordes. Die Energie ist bei uns viel zu teuer und niemand kann die Mengen produzieren, die heute auf dem Markt gefragt sind.

Davon kann Werner Buhk ein Lied singen. Der Rosengärtner in Vierlanden vor den Toren Hamburgs besaß eine der größten Rosengärtnereien Deutschlands. An die hundert Leute arbeiteten bei Buhk. Aber gegen die Konkurrenz aus Kenia kam er nicht an: Wir haben jetzt hier alles runtergefahren. Es macht keinen Sinn mehr, zuckt Werner Buhk die Achseln. Wir haben jetzt nur noch unseren Stand auf dem Großmarkt. Dort verkaufen wir importierte Ware aus Übersee, das rechnet sich, aber unsere Ware können wir vergessen. – Eine Familientradition geht zu Ende.